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Brief an John Martin (Black Sparrow Press), 27. Oktober 1976

Post von Hank
Aus dem Vorwort von Carl Weissner

Wer in den sechziger Jahren Post bekam von Hank (so nannten ihn seine Freunde), der hatte etwas richtig gemacht. Lieferte man ihm drei Seiten, die ihn interessierten, bekam man drei bis fünf zurück. Einfacher Zeilenabstand, kaum Rand; und wenn Rand, dann verziert mit turmhohen, halb von Smog erstickten Palmen, überflogen von seltsamen Hängebauch-Vögeln, die aussahen, als würden sie grade von einer Schrotladung erwischt.

Neben der Unterschrift erschien oft sein rasend schnell gezeichnetes knollennasiges Männchen mit der qualmenden Zigarette zwischen den Lippen; und daneben, auf dem unsichtbaren Fußboden, stets eine riesige halbvolle Flasche.

Flaschen waren für ihn nie halb leer. Als Trinker muß man positiv denken.

Briefeschreiben war für ihn kein Prosatraining. Das war nicht mehr nötig: Mit seiner ersten veröffentlichten Story hatte er sich schon 1944, mit dreiundzwanzig, als fertiger Autor vorgestellt.

Nein, Briefe waren Öffentlichkeitsarbeit (jedenfalls bis zum Beginn seiner wöchentlichen Kolumne, 1967). Eine ganze Reihe von ihnen wurde gedruckt, andere wurden zitiert, und einprägsame Sprüche wie »Gott ist eine Erfindung von Luschen« machten von selbst die Runde.

Die meisten seiner Freunde und besseren Bekannten gaben Zeitschriften des Underground heraus und erkundigten sich ab und zu nach der Abdruckerlaubnis für einen Brief oder zwei. Die Antwort hieß jedesmal: »Klar, nur zu.«

Nach 1967 konnte es passieren, daß er selbst zur Veröffentlichung schritt und ein langer Brief an unseren gemeinsamen Freund Dan Georgakas (linker Aktivist in Detroit) nicht abgeschickt wurde, sondern in der Untergrundzeitung Open City landete – weil Mr. B. kurz vor Redaktionsschluß noch keinen Text für seine Kolumne Notes of a Dirty Old Man hatte.

Die krassen Sprüche des Kolumnisten (»Zwischen Nixon und Humphrey wählen zu dürfen ist ungefähr so, als würde man dir beim Mittagessen die Wahl zwischen kalter und aufgewärmter Scheiße lassen...«) gefährdeten die innere Sicherheit der amerikanischen Bundespost. Für so etwas ist die Bundespolizei zuständig.

Im März und April 1968 untersuchten FBI-Agenten in sechs Städten, darunter Dallas und New Orleans, den Background des Postangestellten Bukowski. Ermittelt wurde unter anderem, daß er ein Gedicht von staatsabträglicher Grundhaltung erscheinen ließ in einer hektographierten Underground-Postille namens COP KILLER. (FBI-Akte #140-35907)

Natürlich war das eine Lachnummer. Wie so oft, wenn eine Ermittlungsbehörde zuviel Personal und die falschen Prioritäten hat.

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